Fleckvieh – Ein Erbe der Ungarndeutschen

Fleckvieh – Ein Erbe der Ungarndeutschen

Uns stehen inzwischen viele Informationen über die Kultur der Ungarndeutschen zur Verfügung, über Musik, Tanz, oder über die Mahlzeiten. Doch bisher gab es wenige Forschungen dazu, was das sogenannte Fleckvieh (ungarische Magyartarka), mit den Ungarndeutschen vom Talboden zu tun hat. Die Deutschen machten sich vor 300 Jahren auf den Weg nach Ungarn und brachten oft eine Kuh mit, damit sie unterwegs keinen Hunger leiden. Simentaler nannte sich damals die Sorte, stammend aus der Schweiz, welches dann in Ungarn angekommen mit dem hiesigen Bestand gekreuzt wurde. Entstanden ist das Fleckvieh, das bis heute bemerkenswerte Eigenschaften vorweisen kann, so dass diese Kreuzung bis heute erhalten blieb. Hochrangige Preise bei der Weltausstellung in Paris sind nur einige der Hohen Auszeichnungen dieser Sorte. Vor allem in die Orte des Talbodens kamen die Deutschen mit den besagten Kühen, und bis heute blieb diese Region ein Zentrum des Fleckviehs, in Bonnhard gibt es heute noch den größten Bestand mit 2000 Tieren. Weiße Beine, weißer Kopf bis zu den Ohren, und eine einfarbige helle Nase, ansonsten braun befleckt, das sind wohl die eindeutigsten Merkmale eines hervorragenden Fleckviehs, selbst für Leien leicht erkennbar. Das Publikum soll aber mehr erfahren über das Fleckvieh, so wurde in Bonnhard eine Ausstellung und eine Konferenz zum Thema organisiert, welche großen Anklang fand. Dr Imre Füller, der sein Leben lang das Fleckvieh erforschte, konnte den Versammelten bemerkenswertes Wissen vermitteln, und öffnete die Augen für einen neuen Bereich der ungarndeutschen Geschichte. Zum Teil auf den Ulmer Schachteln sollen diese Tiere mitgereist sein, und bei der Ankunft in Ungarn wurde aus dem Holz der Fahrtgestelle als allererstes ein Stall für das Vieh gewerkelt. Das Fleckvieh wird bis heute gezüchtet, weil die sowohl in der Milchproduktion, als auch bei der Fleischverwertung gute Quoten leistet. Die Ausstellung über die Geschichte des Fleckviehs ist bis Ende September im Kulturhaus von Bonnhard zu sehen, wo zahlreiche Bilder und Ausstellungsstücke zeigen, wie hoch das Vieh geschätzt wurde im Alltag einer Familie von früher. Die Deutsche Selbstverwaltung von Bonnhard fand durch die Initiative dieser Ausstellung einen neuen Weg, die Wirkung der deutschen in der Region zu zeigen, und bestärkte einmal mehr den Zusammenhalt durch die monatelange Sammelarbeit und Vorbereitung der Ausstellung.  

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Christina Arnold

Foto: Gergő Ruip

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